„Was unterscheidet sonderpädagogischen Unterricht in ES denn von Unterricht in den allgemeinen Schulen?“ ist eine Frage, die mir in den letzten zwei Jahrzehnten häufig gestellt wurde und nach wie vor gestellt wird. Hinter dieser Frage steckt in der Regel ein Blick von außen, diese Frage wird mir also meistens von Lehrkräften oder sonstigen Gesprächspartner*innen gestellt, die nicht dem sonderpädagogischen ES-Lehramt angehören.
Die gleiche Frage wird mir aber auch innerhalb sonderpädagogischer Lehrämter gestellt, sie lautet dann eher „Was unterscheidet denn ES-Unterricht von dem anderer sonderpädagogischer Fachrichtungen?“, häufig mit einem „denn“ dahinter.
Das deutsche Schulsystem erscheint aus ES-Sicht arg leistungslastig, fixiert auf Konformität, Funktionierenmüssen und scheinbar linearem "Erfolgszuwachs" von der ersten Klasse bis zum erhofften Fernziel Abitur. Trotz des nach wie vor segregativen mehrgliedrigen Aufbaus erkenne ich keine ausreichenden Bemühungen, der Vielfalt des kindlichen und jugendlichen Soseins im Kontext Schule gerecht zu werden. Aus meiner ES-Minoritätsperspektive wünschte ich mir einige tiefergehende Veränderungen des Umsetzens von Schule und würde sie gerne anders gestalten. Mit dem Konzept Schulstation kann ein erster Schritt getan werden...
In der Sonderpädagogik nimmt bis heute der Bereich „Diagnostische Kompetenz“ eine Stellung von herausragender Bedeutung ein. Vera Moser beschreibt Diagnostische Kompetenz sogar als sonderpädagogisches Professionsmerkmal (Moser 2005, S. 29).
Zur Zeit meiner Ausbildung Anfang der 2000er (Studium in Köln, Referendariat in Hamburg) wurden mir gar keine expliziten Handlungsanweisungen an die Hand gegeben, um „sonderpädagogische Diagnostik“ zu betreiben. Im Studium gab es zwar Seminare zu Diagnostik, die sich allerdings auf psychologische Tests oder Screeningverfahren beschränkten und den Fokus sehr weit stellten und weniger auf die situations-, kontext- und fachspezifischen Lernvoraussetzungen für eine sonderpädagogische Unterrichtsplanung abzielten.
Ich spreche und schreibe häufig von "ES" und meine damit die Namensgebung der sonderpädagogischen Fachrichtung Emotionale und soziale Entwicklung. Wie selbstverständlich wird diese Begrifflichkeit im heutigen Schulalltag und fachlichen Diskurs deutschlandweit benutzt. Vor nicht einmal 30 Jahren sah dies noch ganz anders aus: In Köln studierte ich "Erziehungsschwierigenpädagogik", um danach in Hamburg in "Verhaltensgestörtenpädagogik" ausgebildet zu werden.
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